Leserbrief in der KLMZ: Kleinmachnower Wanderung mit Fred Weigert “Rund um die Tucholskyhöhe”

Seit 2001 führt der Kleinmachnower Architekt Fred Weigert interessierte Bürger auf seinen „Wanderungen“ durch ausgewählte Stadtviertel der Gemeinde. Diesmal war am letzten Sonnabend, dem 14. Juni, das Quartier an den Kiebitzbergen in der Nähe des Freibades das Ziel der rund 30 Mitbürger, die sich am letzten Sonnabend zusammengefunden hatten. Zunächst erläuterte das Kleinmachnower FDP-Fraktionsmitglied Fred Weigert, der unter anderem auch im Bauausschuss sitzt, den Anwesenden die Geologie des Viertels rund um die Hügel der Kiebitzberge und der Tucholskyhöhe. Interessant zu erfahren war, dass der Verlauf des Teltowkanal der ursprünglich hier verlaufenden Bäke folgt. Die vorgenannten Hügel aber keineswegs Aushub vom Kanalbau, sondern Relikte abschmelzender Gletscher der letzten Eiszeit sind.

Gleich gegenüber vom Freibad-Eingang an der heutigen Max Reimann-Straße gab es aber auch gleich mit den ehemaligen Häusern des Schauspielers und Schriftstellers Friedrich Kayssler sowie Baudirektor Franke die ersten zwei architektonisch interessanten Beispiele aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu betrachten. Nachdenklich machte vor allem das Ende von Friedrich Kayssler, der vor 63 Jahren zu Kriegsende in seinem Haus von sowjetischen Soldaten erschossen wurde, wobei die genauen Umstände, die zu seinem Tod führten, bis heute ungeklärt blieben. Der Architekt Fritz Beblo des Hauses von Friedrich Kayssler war interessanterweise ein Klassenkamerad von ihm und Christian Morgenstern auf dem Breslauer Maria-Magdalenen-Gymnasium. Ein paar Häuser weiter an der Fontanestraße fanden sich dann Beispiele des bekannten Architekten Hermann Henselmann, ursprünglich der Bauhaus-Tradition nahe stehend, nach dem Krieg auf unterschiedlichen Wegen Karriere machend. In Kleinmachnow finden sich noch weitere Beispiele für die teilweise sehr formenklare und richtungweisende Stilrichtung, die dann im Verlauf des Dritten Reiches allerdings immer weniger durchzusetzen war. Literarisch wurde die Wanderung, als auf einer der ehemaligen Bewohnerinnen hingewiesen wurde: Christa Wolf, die von 1962 bis 1976 hier in der Fontanestraße lebte. Einige der Teilnehmer der Wanderung konnten sich noch an sie erinnern. „Oben“ auf der Tucholskyhöhe fanden sich zwei weitere Exemplare, deren Architektur eindeutig dem Bauhaus zuzuordnen ist. Mit dem Wohnhaus Barth in der Max Reimann Straße, das 1936 von Wassili und Hans Luckhardt für den Physiker Max Barth errichtet wurde, endete diesmal die „Kleinmachnower Wanderung“, die wieder einmal viel Interessantes aus der Architekturgeschichte unserer Region zu Tage brachte – wir Teilnehmer waren alle begeistert und freuen uns schon auf die nächste Exkursion.

Jan Syré
Kleinmachnow