Kleine Anfrage, Große Wirkung
Wilhelm Pieck wurde abgeholt

Kleinmachnow / Belzig · Auf Grund einer Anfrage des Kleinmachnower FDP-Abgeordneten WOLFGANG JORDAN im Kreistag handelte das Landratsamt unverhofft schnell und liess ohne großes Aufsehen den vor der Allgemeinen Förderschule im Kleinmachnower Schleusenweg stehenden Gedenkstein für Wilhelm Pieck demontieren. Auf dem Gedenkstein, der nicht auf der Landesdenkmalliste aufgeführt ist, stand die Aufschrift “Wilhelm Pieck Zum Gedenken”.

“So ein Stein gehört höchstens ins Museum, nicht aber vor eine Schule oder in den öffentlichen Straßenraum und dann noch ohne weitere textliche Kommentierung”, so Kleinmachnows FDP-Vorsitzender NORBERT GUTHEINS, “viele Jüngere wissen doch heute gar nicht, wer Pieck war und was er eigentlich zu verantworten hat.”

Wilhelm Pieck war der erste und einzige Staatspräsidenten der DDR. Er war einer der massgeblichen Drahtzieher für die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED und damit Gründungsvater der 2. Diktatur auf deutschem Boden. Er stand voll und ganz hinter dem Kurs der Stalinisierung in der DDR. Pieck wurde zu Lebzeiten 1945 erster Ehrenbürger in Ost-Berlin. Am 16. Dezember 1948 jedoch beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin, die seit September 1948 in West-Berlin tagte, auf Antrag der SPD- und LDP-Fraktion die Streichung Wilhelm Piecks aus der Liste der Ehrenbürger, übrigens in einem Zuge mit Adolf Hitler, Hermann Göring, Joseph Goebbels und Wilhelm Frick. In Ost-Berlin führte Wilhelm Pieck die dortige Ehrenbürgerliste weiterhin an. Nach der Wiedervereinigung wurde er in die neue Ehrenbürgerliste Berlins, die Senat und Abgeordnetenhaus im Herbst 1992 beschlossen, nicht aufgenommen.